Melachere
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Einfach königlich  -  königlich einfach

 

 

 

Gasthaus Drei Könige -

Die Dorfbeiz aus dem Bilderbuch

  

Schmiedgässler und ihre Melachere
Mit der «Melachere» tief verwurzelt ist der heute 84-jährige Alt-Regierungsrat Bruno Leuthold: Im Gasthaus geboren und aufgewachsen, als siebtes von zehn Kindern, seine Mutter Wirtin, Bruno ein Beizenkind, als Spielplatz diente die Schmiedgasse. An seine Kindheit erinnert er sich gerne, obwohl die Bezeichnung «Schmiedgässler» damals fast etwas Anrüchiges hatte. Bruno Leuthold erzählt: «Damals - es war die Epoche des aufkeimenden Modernismus und der euphorischen Fortschrittsgläubigkeit, gab es in Stans unterschwellig so etwas wie Rassismus. Ein «Dörfler» betrachtete sich entschieden höheren Standes als wir «Schmiedgässler». Wir Schmiedgass-Buben führten sogar «Kriege», etwa gegen die Dörfler, Knirer oder Oberdörfler. Aus alten Ofenrohren mit eingesetzten Konservenbüchsen wurden Kanonen gebastelt. Karbid mit Wasser diente als Sprengladung. Das ganze wurde auf einem ausgedienten Kinderwagengestell aufgebaut und so entstand ein harmloses, aber furchterregendes Gefährt». Das war vor rund 70 bis 80 Jahren. Doch die Geschichte der Schmiedgasse und seiner Melachere geht viel weiter zurück. Die erste Eintragung im Grundbuch stammt aus dem Jahre 1648. Beim Stanser Dorfbrand 1713 wurde auch die Melachere eingeäschert, später aber wieder aufgebaut. 60 Jahre danach, im Jahre 1773, wird im Grundbuch als Eigentümer «Meister Anton Rengger» genannt.


Goldene Meisterin der Schmiedgasse
Seit 1773 gab es rund 20 Handänderungen. In den Besitz der Leutholds kamen die «Drei Könige» aber erst 1920, als Franz Leuthold, der Vater von Bruno, das Gasthaus erwarb. Die Wirtstube war damals im 1. Stock und nur im Sommer wurde im Parterre gewirtet. Der Melacheregarten kam erst später dazu und gehört heute noch der Kirchgemeinde. Nach dem Tode von Franz Leuthold ging das Gasthaus 1950 an dessen Erbengemeinschaft, bestehend aus seinen zehn Kinder Hans, Edi, Louisa, Anna, Martha, Bruno, Max, Heiri, Gritli und Otto. Kein geringerer als Bruno Leuthold war es, der den Betrieb von 1950 bis 1953 selber führte. Danach begann in der Geschichte der Melachere ein neues Zeitalter. Gritly Leuthold, die Schwester von Bruno erwarb das Gasthaus und führte dieses während 35 Jahren. Sie galt als «Goldene Meisterin der Schmiedgasse» und war im ganzen Kanton bei allen beliebt. Der Stammtisch feierte bei Gritly Leuthold während Jahrzehnten Urständ, und so manche Schmiedgässler-Idee wurde hier geboren. Nach dem Tode der beliebten Wirtin 1988 wurde eine Familien AG gegründet, seitdem ist die Wirtschaft verpachtet.


Fünf und mehr Wirte gleichzeitig
Ein Unikum war, dass das Gasthaus ab 1988 zeitweise von fünf und mehr Wirten gleichzeitig geführt wurde. Nicht alle diese Wirte, Hobbywirte und Möchtegern-Wirte hatten die gleiche Leidenschaft und so entwickelte sich viel Dynamik. So gab es in der Melachere nebst dem üblichen Beizenbetrieb immer auch besondere Anlässe wie Gastkochessen, Literaturabende. Konzerte, Ausstellungen mit Innerschweizer Kunstschaffenden und vieles mehr. Seit 1. April 2006 heissen die Pächter Rolf und Luzia von Holzen. Zusammen haben sie dem Gasthaus neue Strukturen gegeben. Will heissen: Gäste erst ab 20 Jahren und ein Mix aus älteren Leuten und jungen Erwachsenen. Und: «Die Beiz soll vorallem eines sein - ein Treffpunkt zum Diskutieren und gemütliche Stunden zu verbringen», erklärt Rolf von Holzen. Aus diesem Grund ist auch das DJ-Pult verschwunden, welches durch sanfte Hintergrundmusik ersetzt wurde. Dafür findet wieder das beliebte «Trüllern» statt. Auch aus kulinarischer Sicht lohnt es sich, einzukehren - ganz nach dem Motto «Einfach königlich - königlich einfach». Spezialitäten sind Riesensandwiches, «Huiswurscht», Pizza, Steinbock-Kaffee oder Seelenwärmer (Kaffee- oder Teeschnaps im Krug). Nicht zu vergessen das gediegene Essen, das man im oberen Stock geniessen kann. Bleibt zum Schluss noch die Frage, was der Name «Melachere» bedeutet. Angeblich folgendes: Im Hebräischen heisst König «Melach» oder «Melakim», was durch die Studenten des Kollegiums, die einst viel in der Schmiedgasse verkehrten, in «Melachere» umgewandelt wurde. Andere Quellen behaupten, es komme von «mehr lachen». Fakt ist: Bereits 1901 wird offiziell von der «Melachere» geschrieben. Viel gelacht wurde jedenfalls schon immer in der «Melachere».

 

 


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